Gesamtwirtschaftliche Rahmenbedingungen
Deutschland – Exporte und Binnennachfrage tragen den Aufschwung
Die konjunkturelle Erholung in Deutschland hatsich im Verlauf des Kalenderjahres 2006 deutlich verstärkt. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) prognostizieren in ihren aktuellen Gutachten (Stand: November 2006) übereinstimmend, dass das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland im Jahr 2006 real um 2,4 Prozent steigen wird. Im November 2005 war der Sachverständigenrat noch von einem realen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in 2006 von 1,0 Prozent ausgegangen.
Das ist die höchste Wachstumsrate seit dem Jahr 2000 beziehungsweise die zweithöchste Wachstumsrate in den vergangenen zehn Jahren. Getragen wird diese positive Konjunkturentwicklung nach Aussagen der Wirtschaftsforscher durch weiter kräftig steigende Exporte, aber erstmals auch durch ein deutliches Anspringen der Binnennachfrage. Zu den Triebkräften der Binnennachfrage gehören vor allem höhere Ausrüstungs- und Bauinvestitionen, aber auch der private Konsum. Gedämpft wurde diese Entwicklung durch die im Kalenderjahr 2006 weiterhin auf hohem Niveau verharrenden Energiepreise. Die Inflation wird nach Einschätzung der Experten bei 1,8 Prozent liegen.
Arbeitsmarkt – Entspannung der Situation
Durch die deutlich gestiegene Kapazitätsauslastung fragen die Unternehmen wieder verstärkt Arbeitskräfte nach. Dies wird zu einer spürbaren Zunahme der Erwerbstätigen, vor allem auch der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, führen. Im Jahresdurchschnitt 2006 gehen die Wirtschaftsforscher daher von 4,5 Millionen registrierten Arbeitslosen beziehungsweise einem Rückgang der Arbeitslosenquote um etwa 0,8 Prozentpunkte auf 10,9 Prozent aus.
Privater Konsum – Positive Entwicklung
Der private Konsum profi tiert von einer Belebung am Arbeitsmarkt zwar mit Verzögerung, allerdings sollte er im 2. Halbjahr 2006 durch Vorzieheffekte aufgrund der Mehrwertsteueranhebung auf 19 Prozent zum 1. Januar 2007 angeregt werden. Die Experten erwarten daher für 2006 eine reale Zunahme des privaten Konsums um 0,9 Prozent.
Einzelhandel – Stimmung hellt sich auf
Die Stimmung im deutschen Einzelhandel hat sich in 2006 aufgehellt. Das geht aus einer aktuellen Konjunkturumfrage des Einzelhandelsverbandes HDE vom September 2006 hervor.Angesichts der besseren gesamtwirtschaftlichen Situation sind Themen wie Kaufzurückhaltung der Verbraucher, Rabattschlachten und Attraktivitätsverlust der Innenstädte in den Hintergrund gerutscht; im Fokus stehen die Themen Mehrwertsteuererhöhung und Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Die Einzelhandelsverbände BAG und HDE gehen für das Jahr 2006 übereinstimmend davon aus, dass der Einzelhandel im engeren Sinne (Einzelhandel ohne Kfz- und Mineralölabsatz sowie ohne Apotheken) erstmals seit vier Jahren wieder nominale Umsatzzuwächse verzeichnen wird. Für das Jahr 2006 erwartet der BAG ein nominales Wachstum zwischen 0,5 und 1,0 Prozent, der HDE geht von einem Umsatzplus von 0,75 Prozent aus. Real entspricht das jedoch lediglich einem Nullwachstum.
Europa – Belebung auf breiter Basis
Die wirtschaftliche Entwicklung im Euro-Raum verlief in 2006 erfreulich. Insgesamt erwartet der Sachverständigenrat für das Jahr 2006 ein Wirtschaftswachstum von 2,7 Prozent. Damit liegt das Wachstum zwar nur leicht über dem Vorjahr, allerdings steht der Aufschwung auf einem breiteren Fundament, da sich die Differenzen in den Zuwachsraten zwischen den einzelnen Mitgliedsstaaten deutlich verringern. Insbesondere die kräftige Konjunkturbelebung in Deutschland wirkt sich stimulierend auf die anderen Mitgliedsstaaten des Euro-Raums aus. Der private Konsum im Euro-Raum wird nach Einschätzung der Experten in 2006 um 2,6 Prozent steigen. Zurückzuführen ist dies in erster Linie auf eine günstige Entwicklung auf dem europäischen Arbeitsmarkt.
Noch dynamischer verläuft die wirtschaftliche Entwicklung in den zehn süd- und osteuropäischen Staaten, die seit dem 1. Mai 2004 der Europäischen Union angehören. Das Wirtschaftswachstum für diese Länder schätzt der Sachverständigenrat für 2006 auf 5,5 Prozent. Im Sog der Konjunktur im Euro-Raum steigen nicht nur die Exporte kräftig an, sondern auch die Binnennachfrage gestützt von einer hohen Investitionsdynamik. Aufgrund der eingetretenen Entspannung auf dem Arbeitsmarkt nimmt auch der private Konsum nach Einschätzung der Experten deutlich zu.